Bernd Jannack, Sohn von Karl Jannack, 2025

Karl Jannack

 sorbisch: Korla Janak

23. Januar 1891 – 27. Mai 1968

Leben vor der Haft

Karl Jannack wurde am 23. Januar 1891 in Cölln bei Bautzen in eine sorbische Familie mit zwei Schwestern hineingeboren. Nach einer Lehre als Schuhmacher ging er auf Wanderschaft nach Süddeutschland, die Schweiz, Südtirol und Bremen. Das dortige Arbeitermilieu prägte ihn stark. Selbst als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg setzte er sich für ein Ende des Krieges ein. 1918 wirkte er als Gründungsmitglied der KPD und als Führungsfigur der kurzlebigen Räterepublik in Bremen an der Novemberrevolution mit.

„… da haben sie ihn natürlich eingesperrt“

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Von 1922 bis 1933 setzte Karl Jannack seine politische Arbeit europaweit fort. Er arbeitete als KPD-Funktionär, Gewerkschafter, für kommunistische Zeitungen und Wohlfahrtsorganisationen in Deutschland, Schweden, der Tschechoslowakei und der Sowjetunion. Zeitweise wurde er aus der KPD ausgeschlossen, da er nicht immer die Parteilinie unterstützte. In Dresden heiratete er 1927 Emilie Katharina Bode, die er während des Ersten Weltkriegs in Frankreich kennengelernt hatte. Nachdem die NSDAP an die Macht gekommen war, arbeitete er illegal weiter, flüchtete aber im Mai 1933 vom Rheinland zu seinen Schwiegereltern ins französische Sarrebourg in Lothringen. Dort baute er sich ein neues Leben auf. Er arbeitete wieder als Schuhmacher und übernahm 1938 mit seiner Frau eine Wäscherei. Im gleichen Jahr entzog das NS-Regime jedoch beiden aufgrund ihres kommunistischen Hintergrunds die deutsche Staatsbürgerschaft.

Verurteilung und Haft in Düsseldorf, Wolfenbüttel und im KZ Buchenwald

Emilie Katharina Jannack starb im Januar 1940. Kurz darauf wurde Karl Jannack in Frankreich als deutscher „Emigrant“ interniert. Nach der deutschen Besetzung im Juni 1940 kam er zwar frei, aber wurde im Oktober 1940 in Sarrebourg verhaftet und nach Düsseldorf verbracht. Dort folgten Gestapoverhöre und sieben Monate Untersuchungshaft. Am 23. Mai 1941 verurteilte das Oberlandesgericht Hamm ihn zu 14 Monaten Gefängnis wegen Vorbereitung zum Hochverrat. Einen Monat später wurde er in das Strafgefängnis Wolfenbüttel verlegt, wo er zeitweise als Schuhmacher arbeitete. Seine Gnadengesuche wurden wie auch die seiner Mutter abgelehnt.

Nach sechs Monaten Haft im Strafgefängnis Wolfenbüttel nahm die Gestapo ihn bei seiner Entlassung sofort wieder fest und verbrachte ihn Ende Februar 1942 ins KZ Buchenwald. Dort erlebte er sadistische, willkürliche Übergriffe seitens der Aufseher und eine völlig unzureichende Versorgung, andererseits aber auch zahlreiche Versuche der Häftlinge, die Lebensbedingungen zu verbessern.

„Dieser Aufenthalt im KZ“

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Haftfolgen, Entschädigung und politische Arbeit

Im Herbst 1945 kehrte Karl Jannack in seine nun von der Sowjetunion besetzte Heimat Bautzen zurück, wurde als „Opfer des Faschismus“ anerkannt und bekam eine einmalige Notbeihilfe. Von September 1945 bis April 1946 war er im Landratsamt für die Durchführung der Bodenreform im Kreis Bautzen zuständig.

Familie Jannack im September 1957.

Privatbesitz Bernd Jannack

Im Dezember 1946 heiratete er Agnes „Angelika“ Leimer in Bautzen. Die drei Söhne Karl, Bernd und Martin wurden 1947, 1952 und 1953 geboren. Von 1946 bis 1949 nahm Karl Jannack in der Region als Mitglied der Entnazifizierungskommission, SED-Bezirkssekretär und stellvertretender Landrat von Bautzen verschiedene politische Funktionen wahr. Zudem war er Mitinitiator des „Gesetzes zur Wahrung der Rechte der sorbischen Bevölkerung“ vom 23. März 1948. Dieses schrieb erstmals den Anspruch der Sorben auf Förderung ihrer Sprache und Kultur fest.

Im August 1950 folgte seine Anerkennung als „Verfolgter des Naziregimes“ (VdN). Als solchem wurden ihm insgesamt 15 mehrwöchige Kuren bewilligt. Zwischen 1950 und 1955 engagierte er sich, mit Unterbrechungen aufgrund gesundheitlicher Probleme, in mehreren Leitungsfunktionen für Sorben in Bautzen.

Als kommunistischer und zugleich sorbischer Widerstandskämpfer wurde er in der DDR für Plakatkampagnen und Jugendvorträge genutzt und mehrfach geehrt, u. a. für seine Autobiografie „Wir mit der roten Nelke“.

„Überall … ist er rumgereicht worden“

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Bis ins hohe Alter (hier im Sommer 1961) hielt Karl Jannack trotz gesundheitlicher Probleme vor Jugendlichen und Soldaten Vorträge über seine KPD- und Haftzeit.

Privatbesitz Bernd Jannack

Auswirkungen auf die Familie

Am 27. Mai 1968 starb Karl Jannack. In den 1970er und 1980er Jahren folgten weitreichende postume Ehrungen: Eine Schule, das Sorbische Institut für Lehrerbildung (SIfL) in Bautzen und Straßen wurden nach ihm benannt, mehrere Biografien veröffentlicht, ein Film über seine Rolle in der Bodenreform produziert und im SIfL eine Karl-Jannack-Gedenkstätte eröffnet.

„Die Trauerfeier war wahrscheinlich die größte im Kreis Bautzen“

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Bernd Jannack fühlte sich nicht privilegiert, aber er nahm die Anerkennung, die sein Vater zu Lebzeiten und insbesondere nach dessen Tod erfuhr, stets wahr.

Ehemaliges Karl-Jannack-Straßenschild Cöllns auf Deutsch und Sorbisch.

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„Lerne eifrig und eifere denen nach…“

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Sein Vater hat jedoch kaum über die Haft- und die NS-Zeit geredet.

„Ansonsten kenne ich den Vater eigentlich nur aus dem Buch“

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Bronzebüste Karl Jannacks, 1975-1991 im Sorbischen Institut für Lehrerbildung „Karl Jannack“ in Bautzen ausgestellt, seit 2005 im Besitz des Sorbischen Museums in Bautzen.

Rudolf Enderlein, Bronzebüste Korla Janaks, 1974, Sorbisches Museum, Bautzen. Foto: Johann Custodis, 2025.

Nach Karl Jannacks Tod erhielten die drei Söhne eine VdN-Halbwaisenrente und zeitweise Schul- und Studienunterstützung. Angelika Jannacks VdN-Witwenrente wurde mehrmals erhöht und auch nach der Wiedervereinigung weitergezahlt.

Nach der Wiedervereinigung wurden die Karl-Jannack-Gedenkstätte geschlossen und die Straßen- und Schulnamen geändert. Bernd Jannack empfand dies als tiefe Zäsur. Seine Mutter Angelika setzte sich bis zu ihrem 90. Lebensjahr für die Betreuung von NS-Verfolgten und die Erinnerung an Karl Jannack als Widerstandkämpfer ein.